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26
Jul

Betonfassade aus Sichtbeton individuell gestalten

Herausragende Architektur zeichnet sich meist dadurch aus, dass das Gebäude ein absolutes Unikat ist. Der Architekt hat es individuell auf den Ort, die Nutzung und einen gewissen Gestaltungswillen abgestimmt. Einige Planer möchten, dass sich diese Einzigartigkeit bereits in der Fassade widerspiegelt. Sichtbeton bietet hierfür viele verschiedene Möglichkeiten. Eine davon, die sich bereits seit vielen Jahren bewährt hat, ist die Strukturierung der Oberfläche. Dabei ist am naheliegendsten, Dinge wie Blätter, Schrauben oder Ähnliches in die Schalung zu legen und anschließend den Beton darüberzugießen. Dies birgt jedoch mehrere Gefahren. Beispielsweise kann es sein, dass die Materialien mit dem alkalischen Beton reagieren, dass sie aufschwimmen oder die Gegenstände einfach nicht die gewünschte Form bzw. Größe haben.

Strukturmatrizen allgemein

Eine viel sicherere Alternative sind Schalungsmatrizen, die in der Regel aus Polyurethan bestehen und in der Schalung fixiert werden. Das Ganze erinnert ein bisschen an das Backen eines Kuchens mit einer Silikonform – hat aber den Unterschied, dass der Beton nicht in den Ofen muss, um auszuhärten. Sobald er hinreichend fest ist, kann er aus der Form gelöst werden, wodurch der Abdruck der Schalungsmatrize auf der Betonoberfläche sichtbar wird. Alle Anbieter solcher Matrizen verfügen über ein gewisses Sortiment an Standardreliefs, mit deren Hilfe der Beton strukturiert werden kann. Einige Hersteller – zum Beispiel NOE-Schaltechnik – gehen aber noch einen Schritt weiter. Sie geben dem Kunden die Möglichkeit, sein ganz eigenes Design zu realisieren. Damit wird nicht nur das Gebäude, sondern schon die Fassade selbst zum Unikat!

Mit CAD-Daten

NOE-Schaltechnik hat speziell für die Fertigung von Schalungsmatrizen eine Polyurethan-Rezeptur entwickelt, die der Hersteller unter dem Namen NOEplast anbietet. Die daraus geschaffenen Matrizen haben denselben Namen. Heute werden viele Strukturmatrizen mithilfe von 3-D-Daten erstellt – es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, auf die wir später eingehen. Solche Daten beantworten unter anderem folgende Fragen: Auf welchen Teilen des Gebäudes wird der strukturierte Sichtbeton zu sehen sein? Welche Größe haben die Betonelemente? Welches Motiv ist gewünscht? Soll es erhaben oder vertieft sein? Und vieles mehr. Anhand dieser Informationen fertigen die Mitarbeiter der Firma NOE eine Grundgussform, in die anschließend das spezielle Polyurethan gegossen wird. Hierzu fräst eine hochmoderne CNC-Maschine das gewünschte Design in Holz, Ureol oder PU. Welches Material tatsächlich zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen Motiv ab. Gegebenenfalls lackieren NOE-Mitarbeiter die so entstandene Gießform noch in einer Kabine, wodurch ihre Oberfläche glatt und nicht saugend wird.

Ohne CAD-Daten

Doch es gab schon Schalungsmatrizen, bevor CAD-Softwares den Arbeitsalltag von Architekten und Planern dominierten. Da erstellte man die Strukturmatrizen anhand realer Materialien. Das bedeutet, es wurden Gegenstände wie zum Beispiel echter Naturstein, Schilfmatten oder Gipsplatten in eine Schalung gelegt und dann mit flüssigem NOEplast übergossen. Oder die Planer brachten eigene Modelle aus Holz bzw. Ton ins Werk, mit deren Hilfe die Matrizen hergestellt wurden. Im Gegensatz zur eingangs beschriebenen Methode, die Materialien direkt in die Schalung zu legen und dann mit Beton zu übergießen, haben Schalungsmatrizen den großen Vorteil, dass sie bis zu 100-mal wiederverwendet werden können. Dies ist bei einem Naturmaterial wie zum Beispiel Schilf absolut unmöglich. Selbstverständlich bietet NOE diesen Weg zur Herstellung der Matrizen noch heute an und er wird aus vielerlei Gründen auch häufig gegangen. So haben die Planer eine Vielzahl an Möglichkeiten, um ihre individuellen Ideen zu verwirklichen. Beispielsweise können Ornamente, Schriftzüge, Jahreszahlen und vieles mehr realisiert werden. Es gibt nur eine einzige Einschränkung: Hinterschnitte im Relief müssen vermieden werden, da der Beton sich aus solchen Formen nur sehr schwer bis gar nicht lösen lässt.

Mit NOE einen zuverlässigen Partner an der Seite

Dank individueller Schalungsmatrizen spiegelt ein Gebäude schon mit der Fassade oder besonders gestalteten Sichtbetonwänden seine Besonderheit wider. Und auch die Firma NOE betrachtet jedes Bauvorhaben als einzigartig. Sie unterstützt seine Auftraggeber von der Planung bis zur Vollendung. Dementsprechend stehen die Mitarbeiter des Unternehmens den Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmen nicht nur bei der Entwurfsplanung zur Seite. Sie unterstützen auch bei der Ausschreibung, helfen bei kniffligen Details, wie Eckausbildungen und fertigen Taktplänen, die angeben, welche Matrize wann und in welcher Reihenfolge verwendet werden soll. So lässt sich absolut individuelle Architektur zeit-, kosten- und nervenschonend realisieren.

Eine der größten Herausforderungen der Swiss Life Arena: Die gesamte Fassade wurde aus Ortbeton gefertigt. Es gab also – anders als dies im Fertigteilwerk der Fall gewesen wäre – keine zweite Chance.
Eine der größten Herausforderungen der Swiss Life Arena: Die gesamte Fassade wurde aus Ortbeton gefertigt. Es gab also – anders als dies im Fertigteilwerk der Fall gewesen wäre – keine zweite Chance.

Swiss Life Arena

Derzeit entsteht in Zürich eine Eissporthalle, deren Nord- und Südfassade ein besonderes Highlight darstellen. Sie bestehen aus Sichtbeton, der optisch an einen Vorhang erinnert, welcher gläserne Bullaugen umschließt und dem Objekt ein festliches Erscheinungsbild verleiht. Der Sichtbeton wird vor Ort hergestellt und setzt sich nicht – wie sonst üblich – aus einer tragenden Struktur mit vorgehängten Fertigteilelementen zusammen. Das hat zwar den Vorteil, dass bei perfekter Ausführung keinerlei Fugen sichtbar sind, fordert aber den Baustellenmitarbeitern größte Sorgfalt und viel Können ab – denn es gibt keine Chance für einen zweiten Versuch.

Ihre Oberflächenstruktur erhalten die Betonfassaden durch die Schalungsmatrizen der Firma NOE-Schaltechnik. Diese wurden individuell auf der Grundlage von 3-D-Vektordaten hergestellt. Die Anforderungen an die Sichtbetonfassaden der Eissportarena sind sehr hoch. Die Baustellenverantwortlichen strebten an, möglichst große zusammenhängende Flächen auf einmal zu erstellen. Die größten Betonierabschnitte sind 21,70 m lang und 11,59 m hoch. Bei dem Objekt kommen mehr als 50 Matrizen in unterschiedlichen Formen und Abmessungen zum Einsatz. Aufgrund der spezifischen Fassadengeometrie können einige voraussichtlich bis zu 30-mal verwendet werden.

Dank der Oberflächenstruktur erinnert der Beton an geknitterten Stoff.
Dank der Oberflächenstruktur erinnert der Beton an geknitterten Stoff.

Aula Neuenhof

Die Schweizer Gemeinde Neuenhof sanierte ihre Schulanlage und errichtete in diesem Zusammenhang eine Aula. Diese ist von der Kubatur her betrachtet eher schnörkellos rechteckig – doch dank ihrer Sichtbetonfassade ein echter Blickfang. Denn diese gibt auf geschickte Art und Weise die Faltenbildung eines Stoffes wieder, der je nach Sonnenstand immer etwas anders erscheint. Möglich war das durch die sogenannte Fotogravurtechnik und die Strukturmatrizen der Firma NOE-Schaltechnik.

Die Fassade der Schule besticht durch die wundervolle Sichtbetongestaltung.
Die Fassade der Schule besticht durch die wundervolle Sichtbetongestaltung.

Bei der Fotogravurtechnik werden die Informationen eines Bildes digital in Linien unterschiedlicher Breite und Tiefe umgewandelt. So erzeugt der reflektierende Lichteinfall den Eindruck eines Bildes. Damit das Ergebnis vollständig den Wünschen der Architekten entsprach, berechneten diese die möglichen Lichteinfallswinkel und lieferten der NOE-Schaltechnik detaillierte 3-D-Pläne. Die damit angefertigten Matrizen haben eine Höhe von 6,76 m. Die Breite variierte zwischen 0,65 und 1,0 Meter. Insgesamt fertigte NOE rund 30 unterschiedliche Matrizen an. Mit ihnen wurden ungefähr 700 m² strukturierte Fläche erstellt.


Autorin: Claudia El Ahwany

Der Beitrag Betonfassade aus Sichtbeton individuell gestalten erschien zuerst auf FASSADEN Fachzeitung - Fassadentechnik Gebäudehülle.